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Mit der preußischen Annexion 1866 sank das souveräne Herzogtum Nassau zwar zur Provinz ab, die Entwicklung Wiesbadens zur Großstadt wurde jedoch beschleunigt. Oberbürgermeister Karl von Ibell, Kurdirektor Ferdinand Hey'l und Stadtbaumeister Felix Genzmer inszenierten das Ambiente wilhelminischen Modebades, das regelmäßig, vorwiegend im Mai, kaiserlichen Besuch erwarten durfte. Besonders Kaiser Wilhelm II. kümmerte sich rege um die Stadtentwicklung und das kulturelle Leben. Die Kehrseite: Im Stadtkern fiel fast die gesamte Bausubstanz aus der Zeit vor 1840 der Bodenspekulation zum Opfer.
Die wachsende Einwohnerzahl – 1906 wurden die 100.000 überschritten – verlangte die weitere Ausdehnung der Stadt. Das „Gutachten die Stadterweiterung betreffend“ (1894) von Reinhard Baumeister, einem Anhänger der Gartenstadtbewegung und der Sozialreform, sah von der Innenstadt nach außen hin eine abnehmende Bebauungsdichte vor. Dementsprechend wurden die neuen Viertel jenseits des Kaiser-Friedrich-Rings und Bismarckrings in einer zwar geschlossenen, aber weiträumigen Bauweise angelegt. Es entstand ein „zusammenhängendes Netz schattiger Fußwege“ und Plätze für „einen angenehmen Aufenthalt“.
Wiesbaden war als Ruhesitz für ehemalige Generäle und Beamte, vermögende Fabrikanten und Geschäftsleute beliebt, die hier in angenehmer Gesellschaft ihren Lebensabend verbringen wollten.